I guess I´ll have to do it while I´m here

Intellektuell inkonsistent

Month: November, 2013

Frau Moosmann bekommt einen Schwips und einen Job

Nachdem er mir vorhin erzählt hat, dass der Malvasier im Spätmittelalter wegen seiner außergewöhnlichen Süße so begehrt gewesen ist, stelle ich mich auf ein Geschmackserlebnis nach Art der Beerenauslesen, die in vornehmen Restaurants zum Dessert gereicht werden, ein, und beginne etwas widerwillig am Glas zu nippen.

Erfreut stelle ich fest, dass entweder im Mittelalter eine andere Vorstellung von Süße dominiert hat als heutzutage, oder sich der Malvasier über die Jahrhunderte verändert hat. Er schmeckt nicht unähnlich einem Neuburger oder Grünen Veltliner, also keineswegs übersüß.

Ich trinke das Glas relativ zügig aus, bekomme sofort nachgeschenkt, nehme noch ein, zwei Schlucke und bemerke, wie ich beginne, locker vor mich hin zu plaudern, die Befangenheit abzulegen. Normalerweise ist das kein gutes Zeichen. Es geht ja um einen Job. Befangenheit schützt einen davor, Sachen zu sagen, die irgendwie kontroversiell sein oder missverstanden werden könnten. Und alles Kontroversielle oder Missverständliche reduziert die Chancen in einem Bewerbungsgespräch. Lernt man in Ratgebern.

Das ist mir durchaus bewusst. Einerseits. Andererseits rechne ich mir aber eh keine Chancen auf den Job aus. Und der Malvasier mundet.

Ich beginne also von meiner Kindheit in London zu erzählen (unkontroversiell), und taste mich über die Schilderung meiner Liebe zum Tottenham Hotspur F.C. (ein bisschen kontroversiell, weil sich der gerötete Herr als Fan des FC Arsenal zu erkennen gibt und sogar irgendwie mit der Familie Bracewell Smith, die lange einen beträchtlichen Teil der Anteile an diesem Club hielt, verwandt zu sein behauptet) zur zustimmenden Zitierung John Stuart Mills, der die Tories als „stupid party“ bezeichnete (sehr kontroversiell, weil der Herr schon jahrzehntelang Mitglied dieser „stupid party“ ist, wie er anmerkt).

Die Nachspeise (Semifreddo, vorzüglich)  kommt, eine zweite Flasche Malvasier (immer noch ausgezeichnet-süffig) wird geliefert, und ich ertappe mich dabei, wie ich den Londoner Bürgermeister Boris Johnson (stupid party, Eton, Balliol College) als populistischen Vollidioten bezeichne.

Der Esquire lächelt mich an und teilt mir süffig mit, dass er den guten Bekannten Boris bei einem der nächsten Treffen über meine Bewertung informieren wird.

Dass ich damit einen Volltreffer gelandet habe, mit dem ich, wenn ich jemals irgendwelche Chancen auf die Stelle gehabt haben sollte, diese Chancen auf Null reduziert habe, ist mir sogar im Zustand der alkoholinduzierten Bewusstseinserweiterung klar. Also entscheide ich mich, chancenlos wie ich bin, immerhin meine Würde zu wahren und meine unvornehm-verkürzte Einschätzung Boris Johnsons argumentativ zu unterfüttern. Ich setze also zu einer Suada an, in der ich meine inhaltlichen Einwände gegen Johnsons „Euroskeptizismus“, seine populistisch-klischeehafte Ausländerfeindlichkeit und seinen Snobismus darlege, dann Johnsons absurd-bescheuerten Äußerungen über die Bewohner Liverpools kritisiere, aber immerhin, um nicht unausgewogen zu wirken, sein volles Haar lobe.

Als ich damit fertig bin, mich erschöpft zurücklehne und einen tiefen Schluck aus meinem Glas nehme, stellt er das Glas ab, blickt mir in die Augen und sagt, dass ich überzeugend argumentieren kann. Und: „You´ve got a point.“

Das erstaunt mich, und ich frage etwas verunsichert, wie er das meint. Er erläutert mir eingehend, dass er die populistische Europafeindlichkeit, die Menschen wie Boris Johnson und die meisten großen englischen Zeitungen ständig befeuerten, für eine Geißel seines Landes und seiner Partei hält. Und sich schon seit Jahren dagegen engagiert, im Gefolge des ehemaligen Schatzkanzlers Kenneth Clarke.

Dann fragt er mich unvermutet, ob ich bereit bin, für ihn zu arbeiten.

Ich bin.

Wir schütteln uns die Hände. Er bestellt, um auf unsere Zusammenarbeit anzustoßen, Schnaps. Ich mag keinen Schnaps. Finde aber, dass ich heute schon kontroversiell genug war, und lehne also nicht ab, sondern schütte mir das Gesöff todesmutig die Kehle hinunter. Es schüttelt mich. Widerlich.

Er erläutert mir die Modalitäten der Stelle, lässt sich meine Mailadresse geben, um mir den Vertrag und Instruktionen zu übermitteln. Dann bezahlt er. Wir verlassen das Lokal gemeinsam. Er erklärt mir, dass sich sein Hotel nur zwei Straßen weiter befinde und fragt mich, wo ich abgestiegen bin.

Zu sagen, dass ich kein Hotelzimmer gebucht habe und mir in meinem Zustand nichts übrig bleibt, als zu versuchen, auf der Rückbank des Autos irgendwie einzuschlafen, erscheint mir inopportun. Also brabble ich irgendetwas hoffentlich unverständliches von einem Hotel, das in der entgegengesetzten Richtung zu seinem Weg liegt, bedanke mich für das Essen, verabschiede mich und gehe einige hundert Meter so die Straße entlang, als ob ich ein Ziel hätte.

Dann bleibe ich stehen, versichere mich, dass er nicht mehr zu sehen ist, warte sicherheitshalber noch einige Minuten. Und drehe dann um, zurück zum Parkplatz. Zurück zum Auto.

Herr Professor Rauchensteiner schreibt ein 1200-seitiges Buch über seine Vorurteile und nennt es „Der Erste Weltkrieg und das Ende der Habsburgermonarchie“

Daran, dass es zum Ersten Weltkrieg kommt, ist zweifellos niemand schuld. Aber es gibt zwei Verantwortliche: Zeitgeist und Zugfahrplan.

Ein Mann, oder auch viele Männer, hätten den Krieg nicht verhindern können, egal in welcher Position sie auch waren. Außer Erzherzog Franz Ferdinand. Wenn der nicht in Sarajevo erschossen worden wäre, hätte er wegen des Attentats von Sarajevo keinen Krieg angefangen.

Ach ja, eine Frau spielt auch eine Rolle (im Buch). Allerdings keine positive. Sophie Hohenberg, die mitermordete Gemahlin des Erzherzogs Franz Ferdinand, ist nicht hochwohlgeboren genug und sorgt daher für fürchterliches protokollarisches G´schiss bei der Beisetzung des Erzherzoges.

Immer das G´schiss mit den Frauen. Grad ein Glück für den Ersten Weltkrieg, dass keine zweite Frau für ihn relevant war.

Gut, Kaiser Franz Joseph, Außenminister Berchtold, Generalstabschef Conrad von Hötzendorf und die meisten Entscheidungsträger in der Donaumonarchie wollen den Krieg. Deshalb formulieren sie ein Ultimatum an Serbien, von dem sie wissen, dass es zum Krieg führen muss. Graf Hoyos holt rechtzeitig die aufgrund des Bündnissystems für die Kriegserklärung nötige Blankovollmacht des Deutschen Reiches in Berlin ein. Das ist gar nicht so einfach für Graf Hoyos, weil in Deutschland in Anbetracht der vorhersehbaren Konsequenzen doch einigen wichtigen Leute die Knie schlottern.

Aber Serbien einfach so davonkommen lassen für ein Attentat, das auf österreichisch-ungarischem Hoheitsgebiet stattgefunden hat, das kann von einer Großmacht wirklich niemand verlangen. Auch wenn man dadurch einen Krieg mit Rußland vom Zaun bricht. Im letzten Moment wollen die Briten mit ihren üblichen scheinvernünftigen Angeboten das Losschlagen verhindern. Vergeblich, natürlich.

Dass Frankreich den Krieg erklärt, ist klar. Aber dass England die deutsche Invasion in Belgien, die aufgrund des gottgegebenen Schlieffen-Planes unvermeidbar ist, zum Anlass für eine Kriegserklärung nehmen würde, tja, ein Universitätsprofessor ist zu vornehm, hier „perfides Albion“ zu sagen.

Mit Italien ist, Bündnis hin, Bündnis her, nicht zu rechnen, das ist jedem vernünftigen Mann evident. Die spätere italienische Kriegserklärung im Mai 1915 wird dann aber doch als „walscher Verrat“ verstanden. Nachvollziehbarerweise.

Die ersten kriegerischen Aktionen der stolzen kakanischen Armee sind kein großer Erfolg. Naja, shit happens. Kann ja nicht gleich alles funktionieren, wenn man Jahrzehnte lang keinen g´scheiten Krieg führen darf. Und, „Conrad war hin- und hergerissen“, wie während des gesamten Krieges. (194)

Nach 300 Seiten ist es Zeit für ein bissl allgemeine Stereotypisierung, also passt ein Kapitel „Von Helden und Feiglingen“ gut.

„In den Einleitungsschlachten des Kriegs wurden die Truppen- und Heereskörper dezimiert“, da muss man schauen, ob „ganze Truppenkörper versagt“ haben, und wenn ja, warum. Am besten macht man das, indem Gruppen, eingeteilt nach ihrer Muttersprache, untersucht werden. Und „die Juden“.

Also. „Im Fall der Ruthenen kam das Verhalten vor dem Feind nicht von ungefähr.“ (337) Zu „den Polen“ ist zu sagen: „Die Soldaten waren letztlich ein Abbild des Landes (341).“ Eh klar. „Das galt selbstverständlich auch für die Rumänen“. Was ja nur logisch ist, weil, warum sollte für „die Rumänen“ nicht gelten, was für „die Polen“ gilt. Dass von „den Italienern … einige Hundert Soldaten wegen Feigheit zurückgeschickt und abgeurteilt werden mussten“ (343), wird niemanden wundern. Zu den „Tschechen“ kann man zwar viel sagen, aber nur wenig Gutes. Der Vergleich „zwischen den Truppen der verschiedenen Nationalitäten“ fällt „immer wieder zum Nachteil der Tschechen aus.“ (350)

„Die Kroaten und die Slowenen“ wie die „Slowaken und Bosniaken“ gelten „als bedingungslos einsatzwillig und treu.“ Aber, Slowaken hin, Bosniaken her, „es waren aber wohl Ungarn und Deutsche, die sich die Spitze der Loyalitätspyramide und den Ruf besonderer Tapferkeit streitig machten. … Ihr Blutzoll war denn auch enorm.“ (353)

Der Autor ist kein Antisemit. Deshalb überlegt er sich, was ein Antisemit über „die Juden“ denken könnte. Und hält folgerichtig fest: „nicht einmal Antisemiten konnten den Juden …. Desertionsneigung nachsagen.“ (353)

Aber dass „sie überdeutlich das Bestreben zeigten, sich vom Wehrdienst befreien zu lassen“, muss man schon sagen dürfen. (353) Wenn schon irgendein uralter apokrypher Artikel gefunden wurde, mit dem man diese Unterstellung befußnoten kann.

„Die Furcht vor Spionen war allgegenwärtig“, da ist nur zu verständlich, dass im Übereifer im Zuge der Hochverräterbekämpfung auch übers Ziel hinausgeschossen wird, wie, als „die 29. Infanteriedivision an die 80 zivile Gefangene auf dem Kirchhof niedermachen ließ“. (272) Unschön auch für kakanische Offiziere, wenn sie „eine Baumreihe entlang, an der noch ein dutzend Gehenkte baumelten,“ fahren müssen. (273)

Dann gibt´s das in einem Krieg übliche Auf und Ab, den Ärger mit den Deutschen, die unser Oberkommando nicht ernst nehmen und auch das „Feldherrengenie“ Conrad von Hötzendorfs anzweifeln.

Der Kriegseintritt der „kaltblütigen italienischen Machiavellisten“ (402) gibt dem schon ermüdeten Kampfwillen der „nationalen Schicksalsgemeinschaft“ wieder frischen Schwung, der aber trotz „Luftsiegen“ und ähnlichen Teilerfolgen nach der gescheiterten „Strafexpedition“ bis zur Ermordung des Ministerpräsidenten Stürgkh durch Friedrich Adler – wobei man „die Frage, ob ihn lediglich die in seiner Familie grassierende Geisteskrankheit zu dem Anschlag gebracht hat, beiseitelassen“ kann (627) – und zum fast gleichzeitigen Tod Kaiser Franz Josephs, wieder abebbt.

Da schiebt man halt ein paar Kapitel über unsere schönen Waffen, insbesondere den spitzenklassesuperen 30,5-cm-Mörser, um den uns die Welt beneidet, und über „Fabriklichen Krieg und innere Front“ (429) ein, zur Auflockerung.

Kaiser Karl, der jetzt die Bühne betritt ist, kann es einfach nicht. Ein netter Bub, sicherlich. Gutwillig. Aber zu weich. Er hat so eine komische „Neigung, seinem Humanismus und der Achtung vor Menschenleben dadurch Ausdruck zu verleihen, dass er schwerste Strafen androhte, sollten die Soldaten leichtfertig geopfert werden.“ (667) Eine „falsche Haltung, die zu Zögern und Zuwarten führte.“ (667)

Dass mit einem solchen Oberbefehlshaber, der von Giftgasangriffen und Fliegerbombenabwürfen nicht begeistert ist, auch für die beste Armee kein Krieg zu gewinnen ist, braucht nicht betont zu werden. Obwohl Kaiser Karl durchaus grausam sein kann, wie er zeigt, als er das Oberkommando gegen dessen Willen von Teschen nach Baden verlegt und dem großen Conrad von Hötzendorf verunmöglicht, seine geliebte Frau am neuen Kommandoort anzusiedeln.

Die Unfähigkeit des Kaisers wird dadurch belegt, dass er Kreti und Pleti belobigt und auszeichnet, womit er sich den „Spitznamen Sehadler verdiente, weil er nur jemanden sehen musste, um ihn auch schon zu adeln.“ (671)

Der Krieg zieht sich dann noch einige Zeit hin, es gibt von vornherein zum Scheitern verurteilte Friedensbemühungen. Caporetto ist ein schöner Erfolg, der aber säuerlich schmeckt, weil er mit den angeberischen Deutschen geteilt werden muss.

Die Armee ist tapfer und tut ihr Bestes. Die „Nationalitäten“ machen aber Ärger und beginnen, herumzudesertieren. „Den Juden“ könnte, wie schon gesagt, diesbezüglich nicht einmal ein Antisemit einen Vorwurf machen.

Aber es hat nicht sollen sein, und so „resigniert ein Reich“. (965) Man kann für die Resignation Ursachen suchen, wenn man unbedingt will. Auffällig ist halt, dass anders als in den erfolgreichen napoleonischen Kriegen zu wenige Colloredos, Fürstenbergs, Harrachs, Hohenlohes, Laudons, Khevenhüllers, Kinskys die Truppen führen. „Der Rückzug des Hochadels“ (970) aus der Armee ist offensichtlich, und so ein frischvergrafter Dankl oder Scheuchenstuel kann klarerweise keinen Windisch-Graetz ersetzen. Also wird im Herbst 1918 kapituliert.

Schade um die schöne Armee. Schade um das schöne Reich.

Frau Moosmann zitiert Nirvana und trinkt Malvasier

Ich bin baff.

Die Unterhaltung älterer Herren gehört nicht zu meinen Lebenzielen.  Und ich sehe mich weder neigungs- noch talentmäßig als Entertainerin. Also sage ich das, was mir immer assoziativ einfällt, wenn jemand für sich Entertainment einfordert: oh well, whatever, nevermind. Gleichzeitig lege ich meine Serviette auf den Tisch und erhebe mich. Ich denke mir, es wäre ganz nett gewesen, das rohe Fleisch zu kosten. Aber nicht so nett, dass ich bereit bin, dafür als Hofnarr aufzutreten.

Meine Reaktion scheint den Esquire zu erstaunen. Mir kommt fast vor, sein Gesicht errötet noch ein bisschen mehr. Gerade, als ich mich verabschieden will, beugt er sich vor, räuspert sich. Und sagt, dass er sich für sein Verhalten entschuldige. Ich solle ihm nicht böse sein, die übermäßige Sonneneinstrahlung auf seinen Kopf während des Tages habe wohl seine Denkfähigkeit beeinträchtigt. Natürlich gehe es nicht darum, ihn zu unterhalten. Sondern um kompetente Arbeit. Ob ich nicht so nett sein wolle, wieder Platz zu nehmen, und ihm meine Sprachkenntnisse zu erläutern. Und ihm zu erklären, wie der Erste Weltkrieg in Österreich heute öffentlich wahrgenommen wird.

Ich bin in einem Land mit einer Entschuldigungspraxis nach Art des inzwischen ins Walhalla aufgefahrenen national-sozialen Opportunisten Jörg Haider aufgewachsen. Mir wurde also massenmedial eingetrichtert, dass jede Entschuldigung zuerst so lange wie möglich hinausgezögert werden muss und schlussendlich, wenn sie nicht mehr vermieden werden kann, mit einem „von mir aus tut es mir halt leid, wenn sich jemand durch mich idiotischerweise beleidigt fühlen sollte, weil er meine Worte unbedingt falsch verstehen wollte“, zu qualifizieren ist. Also bin ich erstaunt über das prompte und ganz unzweideutige „I´m very sorry“ des Esquire, denke mir, eine vorbehaltlose Entschuldigung soll belohnt werden und setze mich wieder.

Er nimmt das sichtlich erfreut zur Kenntnis, wiederholt nochmals, dass er sein Verhalten bedaure, und beginnt, über den Wein zu plaudern. Er nimmt einen kleinen Schluck, zutzelt und spricht von Terroir und Tanninen.

Ich gehöre, wie die meisten Studentinnen, schon aus ökonomischen Gründen zum Lager der Biertrinkerinnen und habe mich mit Wein bisher kaum beschäftigt. Aber, was er mir erzählt, über Böden, Rebstöcke, Rebsorten, klingt interessant. Und bald landet er auch wieder bei Oswald von Wolkenstein, der bei einem Schiffbruch durch ein Malvasier-Fass  gerettet worden sein soll. Der Malvasier habe seinen Namen von der peloponnesischen Hafenstadt Monemvasia, die Venezianer hätten im Mittelalter mit dem wegen seiner Süße begehrten Wein regen Handel betrieben, weshalb jedes Mittelmeerschiff voll von Malvasierfässern gewesen sei. Oswalds Intimfeind, der Brixner Bischof, habe große Malvasiervorräte in Brixen angehäuft, einmal sogar Oswald damit bewirtet, wofür sich dieser aber mit einem Faustschlag bedankt habe und ihn gefangengesetzt habe.

Ich beobachte, wie die Anekdoten aus ihm heraussprudeln und er dabei die Rotweinflasche im Alleingang leert, während ich an meinem Glas nippe und Mineralwasser trinke. Als die Flasche gleichzeitig mit den Vorspeisentellern endgültig leer ist, winkt er den Kellner zu sich, und bittet ihn, uns nun eine Flasche eines bestimmten Malvasier-Weines zu bringen. Der Kellner nickt, leicht pikiert, und verlässt den Tisch. Verschwörerisch wendet sich der Esquire mir zu und flüstert, wir seien nun als Banausen verschrien, weil wir zum roten Fleisch Weißwein trinken würden. Aber, weil ich ja von seiner Assistentin als unkonventionell zertifiziert worden sei, wage er so einen Fauxpas mit mir. Zumal mein bescheidener Rotweinzuspruch ja keinen anderen Schluss zulasse, als dass ich eine Weißweintrinkerin sei. Was als Österreicherin  nur natürlich sei, weil in Österreich ja Weißweine von exzellenter Qualität produziert würden.

Als der Kellner die Weinflasche bringt und einschenkt, bittet er mich, nun auch einen adäquaten Beitrag zum Weinkonsum zu leisten. Und ich entschließe mich, dieser Bitte Folge zu leisten.