Einige Zitate aus den Tagebüchern von Josef Redlich aus dem Juli 1914, gewidmet Karl Habsburg, der sich die Welt macht, widewidewie sie ihm gefällt

by lisimoosmann

Mittwoch, 15. Juli.

Heute eine halbe Stunde bei Alek Hoyos: Er sagt mir im größten Vertrauen, dass der Krieg so gut wie beschlossen sei. Aber man müsse Geduld haben, es seien gewichtige Gründe, hinauszuziehen. Er werde mir in 14 Tagen die geheime, höchst interessante Geschichte der letzten zwei Wochen erzählen. Berchtold ist mit Tisza, Stürgkh, Burian einig. Bilinski tut auch so! Der Kaiser selbst ist vollkommen bereit zum Kriege. Hoyos meint: „Wenn der Weltkrieg daraus entsteht, so kann uns das gleich bleiben.“

Hoyos sagt: „Wenn unsere Armee nichts taugt, dann ist die Monarchie ohnedies nicht zu halten, denn sie ist heute der einzige Zusammenhalt des Reiches.“ Die Mitteilungen, dass Conrad und Krobatin auf Urlaub gehen, sind zur Verschleierung unserer Absichten bestimmt.

Dienstag, 21. Juli.

Die „Aktion“ Berchtolds wird noch hinausgezogen.

Donnerstag, 23. Juli.

Die Spannung ist aufs höchste gestiegen: Wir Wissenden sind ganz ruhig.

….

Dass Russland mit Serbien geht, ist so gut wie sicher anzunehmen, zumal die revolutionäre Streikbewegung eine Diversion nach außen ratsam macht.

Deutschland ist aber bereit und willens selbst zum Kriege zu greifen. Alek war vor 14 Tagen in Berlin, sprach dort erst mit dem Unterstaatssekretär Zimmermann, dann mit Bethmann Hollweg, der vollkommen zustimmte.

Unsere Note ist sehr kräftig, sie wird, wie ich unter Aleks Zustimmung sage, einen furchtbaren Sturm in Europa erregen. Wir sind also noch fähig, zu wollen! Wir wollen und dürfen kein kranker Mann sein, sagt Alek, lieber rasch zu Grunde gehen!

Lächerlich steht Stürgkh da, der einen Weltkrieg mit § 14 führt. So bricht heute ein großer Tag an. Hoffentlich führt er zu einer Gesundung Österreichs!

Alek sagt mir: der Kaiser ist natürlich völlig einverstanden.

Advertisements