Frau Moosmann trifft den Erzbischof von Banterbury und wird ausfällig

by lisimoosmann

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass Menschen den Drang verspüren, andere zu beeindrucken.  

Manche versuchen, durch ihren Körper und ihr Aussehen aufzufallen. Andere durch ihr Wissen und ihren Esprit. Wieder andere durch Witz und Charme. Und viele durch eine Kombination aus all dem.

Gegen diesen Drang ist nichts einzuwenden. Er sorgt dafür, dass wir uns anstrengen. Anstrengen, möglichst gut auszusehen. Anstrengen, möglichst kenntnis- und geistreich zu wirken. Und er spornt uns an, Dinge zu tun und uns Dinge anzueignen, die es uns erleichtern, so zu wirken, wie wir es uns wünschen.

Man könnte argumentieren, dass dieser Drang eine Antriebskraft der Zivilisation ist. Wenn wir uns bemühen, schöner, witziger, schlauer zu wirken, werden wir oft auch schöner, witziger und schlauer.

Das kann in Einzelfällen kontraproduktiv sein und einstudiert oder sogar lächerlich erscheinen. Aber grundsätzlich gilt: wer von anderen positiv wahrgenommen werden will, gibt sich Mühe, seine Schattenseiten zu verbergen. Weshalb eine wie ich, die diesem Drang folgend oft selbst unfreiwillig komisch gewirkt haben muss, und sich ihr Selbstbewusstsein im Glanze der Nachsicht anderer bewahrt hat, hoffentlich nie jemanden für ein sein Bemühen, besser zu scheinen, als zu sein (sei dieses vielleicht auch objektiv noch so missglückt), kritisieren wird.

Demgegenüber beabsichtige ich, all meine Kritikfähigkeit einer – vor allem bei jungen Männern – verstärkt zu beobachtenden Aberration dieses Dranges zu widmen: dem „Banter“.

„Banter“ wird – nicht nur in Großbritannien – jene oberflächliche Witzelei genannt, die jedes ernsthafte Gespräch dadurch verunmöglicht, dass sie anstrebt, mit allen Mitteln die Aufmerksamkeit vom Gesprächsthema – was immer das sein mag – auf den Gesprächspartner zu lenken.

Im „Banter“ wird nichts ernst genommen, alles ist „fair game“, und jedes noch so kindische Mittel recht, um „Punkte zu machen“ (die dann gerne noch selbst belacht, zustimmend kommentiert und dem eigenen Konto zugeschrieben werden).

Vor allem aber versucht man mit „Banter“ nicht, dadurch Eindruck zu erzielen, dass man sich von seiner besten Seite präsentiert. Sondern dadurch, dass man den „Mut“ hat, sich von der schlechtesten Seite darzustellen.

Vom expressiven Bewerben der eigenen Flatulenzen („Smells like teen spirit, bantabulous!“) über die Verächtlichmachung des Gesprächspartners („You look like a big turd, banteriffic!“) und die Glorifizierung der eigenen und fremder Geschlechtsteile bis hin zu offenem Sexismus und  Rassismus, oft nur eines idiotischen Wortwitzes willen. Alles, um sich in den Mittelpunkt zu stellen und zum „Bantersaurus Rex“ (Selbstbezeichnung!) zu werden. Und alles natürlich nur im Spaß, nicht böse gemeint. Sondern top, top bantz, an dem sich höchstens humorlose Spießerinnen, wie ich es eine bin, nicht erfreuen.

Als ich vor einigen Tagen in England eine neue Arbeitsstelle antrat, stellte sich mir ein im gleichen Stockwerk beschäftigter junger Mann grinsend als „Archbishop of Banterbury“ vor und teilte mir – auf meine Brüste deutend mit – er lebe gesund, weshalb er gerne Äpfel konsumiere, aber – und dabei setzte er mit einem Augenzwinkern an, meinen Hintern zu tätscheln – auch Melonen nicht verachte.

Ich brachte ihm gegenüber in der erforderlichen Deutlichkeit, aber gerade noch gewaltlos, zum Ausdruck, dass ich weder ihn noch seine Äußerungen zu tolerieren geneigt war, worauf er mir fast ein wenig verstört erklärte, er habe doch nur die Atmosphäre durch etwas „Banter“ auflockern wollen. Dann verabschiedete er sich, mir vorwurfsvoll zurufend: „Can´t you take a joke?“

Mir fiel darauf keine bantastischere Antwort ein als: „I could. But I won´t.“

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