I guess I´ll have to do it while I´m here

Intellektuell inkonsistent

Category: Meisterwerke aus der Werkstatt des Alphaqualitätsjournalismus

Der diskrete Charme des Oskar Beck

Der Fußballer Ciro Immobile hat Borussia Dortmund nach nur einer Saison wieder verlassen, was den Sportjournalisten Oskar Beck dazu veranlasste, einen erstaunlichen Text zu schreiben.

Unter dem meinungsstarken Titel „Die groteske Berufsauffassung der Mimose Ciro Immobile“ lässt er, der „bereits von 10 Fußball-Weltmeisterschaften berichtete“ und daher zumindest seit den Zeiten von Boss Rahn eine groteske Berufsauffassung erkennt, wenn er sie sieht, sich über die verweichlichten modernen Stars aus, die – früher am Schluchsee oder in Malente hätte es das nie gegeben – nicht verstehen, dass in Deutschland jungen Männern eben kein „Puderzucker in den Hintern“ geblasen wird.

Dass Zeiten, in denen Fußballer sich in der Schönheitsfarm Gurkenscheiben ins Gesicht legten, die Fingernägel lackierten oder Tattoos mit chinesischen Philosophien stechen ließen“, nicht mit der goldenen Vergangenheit, in der echte Männer noch um 20.000 bis 30.000 Mark gepokert, bis zum Morgengrauen gebumst haben und wie nasse ­Lappen zum Training gekrochen kamen, mithalten können, das ist für Herrn Beck so sicher, wie dass Leute „mit einem gepiercten Diamanten“  zu „sensibel und labil“ sind, um es mit fußballerischen Kalibern wie „Keule Kohler“ aufnehmen zu können.

John Terry wurde ja, erklärt uns Herr Beck, nur deshalb eine von Kindern weltweit nachgeahmte Fußballerlegende von der Titanengröße eines Phil „Kettensäge“ Neville, weil er anderen die kalte Klobrille wärmte und sich nicht beschwerte, dass nicht „italienisch“ mit ihm „gesprochen wurde“.

„Immobile braucht Liebe“. Mehr braucht man mit den „Kategorien der herkömmlichen Methoden der” Journalistik über den unsäglichen Charakter eines „größten Weicheis“ nicht zu verlieren.

Ob Herr Beck eine Physiotherapeutin braucht, die ihm vor dem Kolumnenschreiben „die Cojones krault“, das ist jedenfalls keine der „Fragen, die dringend geklärt gehören“.

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Aber das ist keine Frechheit. Das ist Verzweiflung.

Eine Kolumne von Lisi Moosmann, zurzeit in ihrem Büro

Immer wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommt ein neuer Gipfel daher. Die Zeitschriftenhändlerin in Manhattan Beach riet mir, für die aktuelle “Vanity Fair”-Ausgabe lieber eine Vorbestellung zu hinterlassen, als ich mich am vergangenen Donnerstag bei ihr nach dem neuen Heft erkundigte. Die Geschichte ist ja auch einfach spektakulär: Die griechischen Botschaften, so konnte man neulich lesen, wurden angehalten, ihre Bargeldbestände nach Hause zu schicken. Jeder Cent zählt. Der österreichische Journalist Robert Misik hat neulich darauf aufmerksam gemacht. Aber der Balkan-Byzantinismus ist nicht so schnell kleinzukriegen.

Auf Deutschland übertragen wäre das so, als ob Franz Beckenbauer erklären würde, er habe immer im falschen Körper gelebt und nun im Abendkleid sein wahres Ich gefunden. Deshalb wird auch mit allen Kräften versucht, die Grenze zu überwinden, wenn man bei Geburt auf der falschen Seite gelandet ist.

Natur ist hier nur Natur bis zum Menschen, danach verliert sie ihre Macht.

Eine Ohrfeige für die Deutschen.

(Alle Sätze verdanke ich den SPON-Kolumnen der Alphaqualitätskolumnisten Augstein und Fleischhauer vom 4.6.2015 bzw. 9.6.2015.)

Meisterwerke aus der Werkstatt des Alphaqualitätsjournalismus, II

“1913 starb August Bebel, Friedrich Ebert übernahm den Vorsitz der SPD, und Willy Brandt wurde geboren. Das ist die große Geschichte der SPD …” 

Jakob Augstein, SPIEGEL Online, 05.08.2013

Meisterwerke aus der Werkstatt des Alphaqualitätsjournalismus, I

“Die “Reichen” in Österreich sind sehr oft hauptsächlich deswegen reich, weil sie ein Eigenheim besitzen.”

Hans Rauscher, Standard, 06.08.2013