I guess I´ll have to do it while I´m here

Intellektuell inkonsistent

Der vorbildliche Franz Conrad von Hötzendorf

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Vor kurzem habe ich erfahren, dass immer noch Kasernen der Republik Österreich nach dem k.u.k-Feldmarschall Franz Conrad von Hötzendorf benannt sind. Im österreichischen Bundesheer gelte Conrad, so der ehemalige Generalstabschef Edmund Entacher, als „vorbildlicher Offizier“.

Ich überlegte mir, was einen staatlich zertifiziert vorbildlichen österreichischen Offizier ausmachen könnte. Durch Blättern in Conrads eigenen Schriften lernte ich, dass die entscheidenden Kriterien für Vorbildhaftigkeit “Charakter und Leistung” seien.

Der Charakter Conrads war durchaus repräsentativ für die aristokratische Offiziers- und Beamtenkaste, der er entstammte, und hob ihn wenig aus der Masse der führenden Funktionäre der Donaumonarchie heraus:

Er war stolzer Rassist, Sozialdarwinist und hielt es für „besser, 100 Leute zu viel einzusperren, als einen zu wenig.“ Er war unfähig, sich selbst Fehler einzugestehen, und daher auch unfähig, aus Fehlern zu lernen. Er hasste Slawen und Italiener geradezu pathologisch. Er suchte für alle Rückschläge Sündenböcke und schob die Verantwortung für jeden Misserfolg auf andere. Empathie kannte er nicht, nur Selbstmitleid.

Die Leistungen Conrads sind demgegenüber zweifelsfrei außergewöhnlich:

Er war, wie sogar Christopher Clark zugesteht, durch sein jahrelanges Drängen auf einen Präventivkrieg gegen Serbien, Montenegro, Russland, Rumänien und Italien hauptverantwortlich dafür, dass den politischen Verantwortungsträgern der Donaumonarchie im Sommer 1914 ein Krieg als Allheilmittel zur Lösung aller innen- und außenpolitischen Probleme erschien. (K.u.k.-Außenminister Berchtold, einer der anderen Hauptschuldigen am Ersten Weltkrieg, paraphrasierte die Forderungen Conrads an die politischen Entscheidungsträger in den Tagen nach dem Attentat von Sarajewo mit den Worten: „Krieg! Krieg! Krieg!“)

Weil aber die Republik Österreich die Verursachung eines Weltkriegs für sich allein als noch nicht als hinreichenden Grund für die Benennung von Amtsgebäuden zu werten scheint (Berchtold-Kasernen gibt es ja nicht), müssen andere Leistungen des Feldherrn Grundlage seiner Würdigung durch den Staat gewesen sein.

Unstrittig ist unter Historikern,

– dass Conrad als Generalstabschef seit 1906 verantwortlich dafür war, dass die k.u.k.-Armee das unfähigste Offizierkorps aller kriegsführenden Mächte hatte (auf dessen Inkompetenz Conrad dann auch alle Debakel des ersten Kriegsjahres schob);

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– dass die Mobilisationspläne Conrads voller Fehler waren, die dazu führten, dass die k.u.k.-Armee langsamer mobilisierte als jede andere am Krieg beteiligte Armee;

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– dass Conrad, weil er aufgrund von Planänderungen notwendig gewordene Umstellungen – aus Furcht, sein Gesicht zu verlieren – nicht veranlasste (und deshalb Truppen auf einem Umweg von 1000 km über Bosnien nach Galizien transportieren ließ), das verspätete Einlangen von Truppen im Bereich der Front zu Russland verschuldete, was zu den militärischen Debakeln des Herbstes 1914 führte;

– dass Conrad durch die der Armee verordnete veraltete Offensivdoktrin mit ihrer Betonung des Angriffes durch manövrierende Infanterie erreichte, dass es nicht nur keine sinnvolle taktische Abstimmung zwischen den verschiedenen Waffengattungen gab, sondern Infanterieeinheiten in geschlossenen Formationen in aussichtslose Gefechte mit gegnerischer Artillerie gezwungen wurden;

– dass die – in Manövern bereits empirisch falsifizierten und dennoch unverändert umgesetzten – Pläne Conrads, die einer Offensive gegen Serbien halbherzig Priorität gegenüber der Verteidigung der galizischen Front einräumten, zum Scheitern der Offensive gegen Serbien und den Niederlagen in Galizien beitrugen;

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– dass Conrad als faktischer Armeeführer verantwortlich für die rassistisch motivierte (übrigens auch militärisch kontraproduktive) Unterdrückung der Zivilbevölkerung durch die Militärbehörden (insbesondere in Tschechien, Galizien und Serbien)

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und die von der Militärführung aus den gleichen rassistischen Motiven geschürte hysterischen Angst vor „slawischen“ Spionen, die zu Massakern an Zivilisten führten, war;

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–  dass die Offensive Conrads 1916 im Trentino in Anbetracht der vorhersehbaren Brusilow-Offensive nicht nur unverantwortlich, sondern, weil sie aus 1200 km Entfernung vom Operationsgebiet auf Basis veralteter taktischer Ansätze und ohne auf die örtlichen Wetter- und Bodenverhältnisse Rücksicht zu nehmen, geplant wurde, von vornherein zum Scheitern verurteilt war;

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–  dass Conrad jede zweckmäßige Koordinierung mit den Verbündeten aufgrund seiner Eifersucht und seines Eigensinns unterließ;

– dass Conrad aufgrund der Entfernung seines komfortablen Hauptquartiers in Teschen von den zentralen Kriegsschauplätzen und aufgrund seiner Ahnungslosigkeit über die Gegebenheiten an der Front eine Vielzahl leicht vermeidbarer taktischer Fehler machte;

– und dass Conrad im Laufe des Krieges mehrfach das Leben zehntausender Menschen dem Versuch der Verwirklichung absurder Hirngespinste von kühnen Siegesplänen opferte, nur um mit dem dadurch angestrebten Ruhm seine Liebhaberin und spätere Frau zu beeindrucken.

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Wenn ungewöhnliche Verbrechen und Fehlleistungen und ein sehr gewöhnlicher Charakter zusammenwirken, dann entsteht also: ein Held der Republik Österreich.

Tu felix Austria.

(Ein Beitrag zum Projekt *.txt von Dominik Leitner.)

Wünschen oder whatever gets you thru the night (it´s alright, alright)

Ein Beitrag zum Projekt *.txt von Dominik Leitner.

In gewisser Weise fand sie es immer noch erstaunlich.

Wenn sie gefragt hatte, was man gerne zum Abendessen serviert erhalten würde, waren die Antworten meist ziemlich konkret. Lasagne mit besonders viel Béchamelsauce, aber ohne Champignons. Danach Schokoladenpudding mit Schlagobers und kandierten Kirschen. Dazu einen möglichst nicht zu fruchtigen Rotwein.

Auch nachdem das gewünschte Essen auf dem Tisch stand, waren Verbesserungswünsche nicht selten. Ein bisschen Salz. Eine etwas größere Portion Schlagobers. Den Wein vielleicht doch noch 5 Minuten in den Kühlschrank stellen, weil er nur bei 17 Grad seinen Geschmack optimal entfaltet. Und die zweite Portion dann ohne die kandierten Kirschen. Doch zu süß, so ein Pudding mit kandierten Kirschen.

Daran, dass Menschen ihr gegenüber grundsätzlich Vorstellungen nicht zum Ausdruck bringen wollten, konnte es also nicht liegen. In vielen Alltagssituationen hätte sie es durchaus ertragen, weniger detaillierte Anregungen zu erhalten.

Sobald es aber um Sex ging, änderte sich die Bereitschaft zur präzisen Beschreibung. Statt exakten Vorgaben wurden hochtrabende rhetorische Figuren geboten.

Selbst der forsche junge Herr, der sie telefonisch ersucht hatte, zu einem romantischen Abendessen WC-Papier („Vierlagiges, bitte!“) mitzubringen, stotterte auf ihre Frage, welche sexuelle Stimulationen er bevorzuge, nur unschlüssig. Und flüchtete sich schließlich in Abstraktionen und windschiefe Metaphern von “distanzloser Vereinigung” und “tantrischer Explosion”. Was immer das bedeuten mochte.

Leute, die nicht vor der Verlautbarung zurückschreckten, dass sie ein Ribeye-Steak nur medium rare zubereitet für verdaubar hielten, und für die es kein richtiges Leben mit der falschen Zahnpasta („Ich ertrage nur Colgate Max Fresh.“) gab, wollten sexuellen Vorlieben nicht verraten.

Diese nebulösen Andeutungen verunsicherten. Sie versuchte daher, sich irgendwie metaphorisch zu verhalten.

Die Erfolge hielten sich in Grenzen, weil ihr bald klar wurde: die Metaphernmeister mochten vielleicht wissen, was sie wollten. Aber mit den Metaphern, die ihnen entfleucht waren, hatte es jedenfalls nichts zu tun.

Auf Dauer war, schien ihr, niemandem geholfen, wenn sie sich eigene Floskeln zurechtlegte, um vermurkste Turnübungen nachträglich schön zu reden.

Also entschloss sie sich, deutlich zu machen, was sie wollte. Durch Handlungsanweisungen, die frei von Vulkanausbrüchen, Erdbeben und anderen metaphorischen Naturkatastrophen waren.

Erstaunlicherweise erlebte sie keinen Widerstand, sondern fast erleichtert wirkende Kooperation.

Gespräche über Sex blieben weiterhin reich an Tropen und Euphemismen.

Warum das so war, wusste sie immer noch nicht. Aber das Nichtwissen beeinträchtigte ihr Leben nicht mehr.

Juan Román Riquelme oder The Glory Game

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Vorgestern ist Juan Román Riquelme zurückgetreten.

Er hat mir einmal viel bedeutet.

Ich war eine ziemlich eigensinnige Jugendliche mit ziemlich eigenwilligen Vorlieben. Einige Dinge interessierten mich. Alle anderen: nicht.

Und ich hatte Probleme mit Autoritäten. Oder, wie ich damals gesagt hätte: Die Autoritäten hatten Probleme mit mir. Das führte dazu, dass ich in vielen Dingen nicht den Erfolg hatte, den ich mir verdient zu haben glaubte.

Schulnoten waren selbst dort, wo ich gut war, schlechter, als sie sein hätten dürfen. Preise, die, wie ich meinte, mir zustanden, gingen an andere.

Ich tat so, als ob mir das alles nichts ausmachte. Dass ich nicht nur keinen Wert auf irgendwelche Erfolge legte, sondern sie aus Prinzip ablehnte. Eine Pose natürlich. Aber eine, an deren Authentizität ich irgendwann selbst zu glauben begann.

Seit ich den ganz jungen Riquelme um die Jahrtausendwende einmal in der Bombonera spielen hatte sehen, hing sein Poster an der Wand meines Mädchenzimmers.

Ich bewunderte seine mühelos wirkende Eleganz in der Ballführung. Sein Geschick, in einem Spiel, das auf Schnelligkeit ausgerichtet war, paradoxerweise durch gezielt eingesetzte Langsamkeit entscheidende Überraschungsmomente zu schaffen. Seine Eigensinnigkeit, die dazu führte, dass er sich früher oder später mit jedem Trainer überwarf. Seinen, wie mir schien, immer traurig-trotzigen Blick. Vor allem aber bewunderte ich seinen Stil.

Es ging nur darum, alles richtig zu tun. Ob damit irgendein äußerlich messbarer Erfolg erzielt werden konnte, das war bedeutungslos. Der richtige Stil war für sich schon Erfolg genug. Besser im Provinzkaff Villarreal Dritter der Primera División zu werden, vermittelte mir Riquelmes Auftreten, als sich anzupassen und mit dem FC Barcelona die Meisterschaft gewinnen.

Und was für den großen Riquelme recht war, das war für ein 15, 16-jähriges Mädchen mit Allüren nur billig.

Ich und Riquelme, wir waren stilvoll erfolglos und in dieser Erfolglosigkeit glücklich, redete ich mir ein.

Bis ich 2006 sah, wie Riquelme im Halbfinale der Champions League gegen Arsenal in der 89. Minute einen Elfmeter verschoss und danach fassungslos-verzweifelt im Strafraum stand, während das Spiel um ihn herum weiterging und der mir besonders unsympathische Jens Lehmann triumphierte.

Das Bild des entsetzt in der Nähe des Elfmeterpunktes ruhig dastehenden Riquelme zeigte mir: Er war im Misserfolg nicht glücklich. Erfolg war klarerweise nicht alles. Auf Stil kam es an. Aber, wie schon Bob Dylan sang: Failure’s no success at all.

Kurz nach diesem Spiel im Frühjahr 2006 begannen sich meine Noten zu verbessern. Riquelme schied mit der argentinischen Nationalmannschaft im WM-Viertelfinale 2006 gegen Deutschland aus, gewann aber danach 2007 mit Boca Juniors die Copa Libertadores und mit Argentinien 2008 das Olympische Fußballturnier.

Ich würde lügen, wenn ich behauptete, sein Wirken in den letzten Jahren intensiv verfolgt zu haben. Den einen oder anderen Superclásico habe ich in instabilen Webstreams verfolgt. Montags suchte ich auf den Sportseiten immer nach den Wochenend-Resultaten seiner Vereine, der Boca Juniors und – im letzten Halbjahr – der Argentinos Juniors. Und selten, in sentimentalen Momenten, schaute ich mir You-Tube-Videos an. Etwa vom Champions-League-Viertelfinalrückspiel Villarreals 2006 gegen den F.C. Internazionale, in dem er Weltstars wie Figo und Veron zeigte, wie durch Spielintelligenz Räume geschaffen und ausgenützt werden können.

Das Riquelme-Poster hängt immer noch in meinem ehemaligen Zimmer im Haus meiner Eltern, glaube ich. Ich war schon lange nicht mehr dort. Wenn ich das nächste Mal hinkomme, werde ich es abnehmen und zu meinen Tagebüchern aus der Teenagerzeit, den Schulzeugnissen und alten Liebesbriefen legen. Meine Jugend ist nun endgültig vorbei.

Gratwanderung

Ein Beitrag von Daniel Kosak zum Projekt *.txt von Dominik Leitner

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Ich mache das jetzt mal auf die herkömmliche Art: Wenn ich nicht weiß, worum’s gehen soll, dann google ich mal. Wenn man „Grat“ googlet, dann ist das erste Ergebnis die „Gruppe angepasste Technologie“, ein wissenschaftlicher Verein an der Technischen Universität Wien, der sich für einen umweltverträglichen Umgang mit Technik und ihren Folgen einsetzt. Tolle Sache wahrscheinlich, aber vielleicht auch nicht das, was hier erwartet wird.

Mit dem zweiten Ergebnis kommen wir der Sache schon näher, hier wirft die Suchmaschine den Schweizer Berg „Grat“ als Ergebnis aus. Wobei der Begriff „Berg“ in diesem Fall vielleicht übertrieben ist, es handelt sich um einen 991 Meter hohen Hügel, der aber immerhin der höchste Punkt des Kantons Thurgau ist.

So weit, so uninteressant.

Ich suche nun nach „Gratwanderung“, und zwar in der Bildersuche. Es erscheint dieses Bild. Jetzt bin ich dort, wo ich hin will. Ein Berg mit einem Grat, auf dem Menschen wandern. „Gratwanderung“ dient meistens als Synonym für die Gefahr, auf einer der beiden Seiten runterfallen zu können. Menschen benutzen das Wort, wenn sie beschreiben wollen, dass sie sich nicht zwischen der einen oder anderen Seite entscheiden konnten, als Synonym des Leidens und der Unsicherheit. In vielen Texten ist das Wort auch als Metapher für andere Situationen. Für eine Weggabelung etwa, an der Menschen sich entscheiden mussten, ob sie den einen oder den anderen Weg nehmen. Oder als Tanz auf dem Seil, unsicher und schwankend, ständig fürchtend, dass man ungesichert runterfällt.

Was mir nicht untergekommen ist: Die Gratwanderung als Metapher für etwas Schönes. Wenn man das Bild betrachtet, auf dem Menschen auf einem grünen Bergrücken gehen, dann wirkt das für mich bedrohlich. Man kann auf jedem Grat gehen und die Schönheiten sehen, die sich links und rechts auftun, wenn man runterschaut. Der Blick ins Tal von einem hohen Punkt, auf beide Seiten, auf denen sich unterschiedliche, aber schöne Welten auftun können. Das würde mir als Metapher besser gefallen. Abseits von gekünstelter „Feel-good-Attitüde habe ich oft den Eindruck, dass viele Menschen ihren Fokus auf Gefahr, Bedrohung und Empörung legen. Aufregung und Erregung sind die Säulen, auf denen auch weite Teile der sozialen Medien beruhen. Ungeprüft natürlich, gepostet und geteilt wird meistens ohne zu hinterfragen, die eigene Empörung wird mit „Arg, oder?“ als Kommentar hinzugefügt.

Dieses Verhalten begrenzt sich selbst nicht nur in sozialen Netzwerken, auch Medien funktionieren inzwischen oft so. Und nicht nur am Boulevard. Das emotionslose, aber Wissen schaffende „einerseits-andererseits“, das den Leser seine Schlüsse selbst ziehen lässt, gibt es nicht mehr oft. Meinung machen, Informationen liefern. Oder nur jene Informationen bereitstellen, die die eigene Meinung untermauern.

Ich wünsche mir, dass Gratwanderungen zumindest manchmal auch als etwas anderes gesehen werden. Als eine Möglichkeit einen Blick auf beide Seiten zu werfen. Physisch, aber eben auch metaphorisch.

Magic of the Cup

Der Football Association Challenge Cup ist der älteste Fußballwettspielwettbewerb der Welt. Irgendwann vor langer, langer Zeit, so erzählten mir schon vor 10 Jahren alte huttragende Männer, sei diezser Wettbewerb der bedeutendste Fußballwettspielwettbewerb der Welt gewesen.

Wichtiger als jede Meisterschaft. Legendenbildend.

Und tatsächlich enthält jedes englische Fußballgeschichtsbuch viele Kapitel über legendäre FA-Cup-Finali. Das erste Finale in Wembley im neueröffneten – mit 200000 Zuschauern überfüllten – „Empire Stadium“ 1923, als die Bolton Wanderers den West Ham United F.C. besiegten. „The Matthews Final“ 1953, als der legendäre Stanley Matthews den Blackpool F.C. zu einem 4:3 über die Bolton Wanderers führte und damit den einzigen Titel seiner mehr als 30-jährigen Karriere errang. Das Finale 1956, in dem der ehemalige deutsche Kriegsgefangene Bert Trautmann als Tormann trotz eines Genickbruches bis zum Ende durchspielte und mit Manchester City den Cup gewann. Oder das Finale 1988, in dem die „Crazy Gang“ des Wimbledon F.C. den damaligen englischen Rekordmeister Liverpool besiegte.

Ich brachte dem FA Cup schon deshalb immer eine gewisse Zuneigung, entgegen, weil mein Lieblingsverein, der Tottenham Hotspur F.C., nicht nur der erste und einzige „Non-League“-Verein war, der den Cup gewann (im Jahr 1901), sondern auch 1961 als erster Verein im 20. Jahrhundert das Double aus Meisterschaft und Cup erreichte (und zudem mit 8 Cupsiegen immer noch nach dem Arsenal und Manchester United der dritterfolgreichste Verein in der Geschichte dieses Bewerbes ist.)

In den letzten Jahrzehnten verlor der FA Cup aber gegenüber der Champions League und der Premier League so an Relevanz, dass ein Verein wie Manchester United sogar schon freiwillig aus dem laufenden Bewerb ausgestiegen ist, um die Spieler für – insbesondere finanziell – wichtigere Bewerbe zu schonen. Wenn ich ehrlich bin, muss ich selber zugestehen, dass ich mich in den letzten Jahren, sobald die Spurs – meistens in einer der ersten Runden – ausgeschieden waren, frühestens ab dem Semifinale dafür zu interessieren begann, wer denn noch im Rennen um den Pokalsieg war.

Die Medien versuchen auch heuer – wie jedes Jahr  – den FA Cup mit Geschichten von erfolgreichen Underdogs, von angeblich charakteristisch-englischen Tugenden wie Fairness und Kampfgeist, die gerade in Pokalspielen zu „Shocks“ und „Upsets“ führen, aufzupolieren und seinen verlorenen Glanz wiederherzustellen. Mit Sagen vom „Magic oft the Cup“.

Irgendwie infizieren mich diese Artikel diesmal ein bisschen und ich lasse mich – inspiriert vom vielen melancholischen Gerede – von einem Bekannten überreden,  ins einige Kilometer entfernte Hartlepool zu fahren, um mir das Cup-Spiel des Letzten der vierten Profiliga, Hartlepool United, gegen den Siebtligaverein Blyth Spartans anzusehen und selbst zu überprüfen, wieviel Magie noch im Pokal steckt.

Obwohl die beiden Vereine 40 Meilen und drei Spielklassen von einander entfernt sind, wird das Spiel in der Presse als „Derby“ angepriesen, was allerdings in Zeiten, in denen Begegnungen zwischen Napoli und Catanzaro (Entfernung 404 km) als “Südderby“ bezeichnet werden, nur  mittelbefremdlich erscheint.

Ich habe keinen besonderen Bezug zu einem der beiden Vereine, entschließe mich aber, weil ich schon immer eine Abneigung gegen Sparta und alles spartanische hatte, der Heimmannschaft die Daumen zu drücken, zumal ein Verein, dessen Maskottchen H’Angus the Monkey zum Bürgermeister des Ortes gewählt wurde, Skurrilitätsbonuspunkte verdient.

Und so stehe ich eineinhalb Stunden vor Kickoff gut eingehüllt am Bahnhof von Hartlepool und machte mich auf den kurzen Fußweg zum Stadion.

Ich lasse mir auf dem Weg zum Stadion von meinem Begleiter zum ersten Mal widerwillig einen “mulled wine” überreichen und, bevor wir das Stadion betreten, schon weniger widerwillig einen zweiten. Es könnte ja sein, dass für dieses englische Alkoholwarmpanschgetränk recht ist, was für Reiswein oder Bardolino billig ist: dass es genau ein Umfeld gibt, in dem ein solches grundsätzlich ekelhaftes Gesöff genießbar ist. Und ein FA-Cup-Zweitrundenspiele gerade dieses eine, einzigartige, Umfeld darstellt.

Wir erreichen das Stadion in einer Gruppe Fans, die lautstark über Marlon Harewood, einen langjährigen Premiere-League-Stürmer, der als 35-jähriger seine Karriere in Hartlepool ausklingen lässt und wohl bisher eine bescheidene Saison erlebt hat, diskutieren.

Gestärkt von einem Pie begeben wir uns zu unseren Plätzen auf der Gegentribühne unmittelbar hinter der Bande. Vor uns sitzen zwei vielleicht zwölfjährige Mädchen – an der Bande angelehnt – im Gras und unterhalten sich über “Girl Online”, den Jugendbuchbestseller des Augenblicks. Ich blicke ein bisschen um mich herum. Im Stadion wird für “Smith & Graham, Solicitors”, “Betfred” und 150 Jahre lokale Brauereiexzellenz geworben anstatt für Samsung und Coca-Cola. Es sind vielleicht 3500 Zuschauer anwesend, das Stadion ist nicht annähernd ganz gefüllt, als angepfiffen wird.

Das Spiel entwickelt sich zunächst, wie zu erwarten war. Die höherklassige Heimmannschaft versucht Druck zu machen, in erster Linie durch hohe Bälle in Richtung des Strafraumes. Die Auswärtsmannschaft wehrt sich, so gut es geht, durch aggressiven Körpereinsatz. Der Ball befindet sich einen beträchtlichen Teil der Spielzeit in der Luft und überfliegt die Zone 30 Meter dies- und jenseits der Mittellinie in regelmäßigen Abständen. Noch vor der Halbzeit gelingt Hartlepool der Führungstreffer, und eine Zeit lang sieht es ganz so aus, als ob damit das Spiel entschieden wäre.

Es wird immer kälter und windiger im Stadion, aber der dritte Alkoholgewürztee des Abends, den ich in der Halbzeitpause gereicht erhalte, beginnt mir tatsächlich zu schmecken.

Nach der Pause ändert sich der Spielverlauf. Die Amateure müssen vom Trainer ermuntert worden sein, mehr zu riskieren, und beginnen, sich aus der Umklammerung zu befreien. Ihr auffälligster Spieler, die rothaarige Nr. 17, löst sich immer durch schnelle Antritte von seinen routinierten, bisher meist gut stehenden, aber behäbigen, Bewachern.

Dann, etwa nach einer Stunde fällt der Ausgleich durch einen direkt verwandelten Freistoß. “Glücklich, aber nicht unverdient”, würde der durchschnittliche Sportkommentator sagen. Und jetzt wird es aufregend: Altstar Harewood drückte den Ball aus kurzer Entfernung, wie es aussieht, über die Torlinie. Aber der Schiedsrichter ist der Ansicht, der Ball habe die Linie nicht mit seinem ganzen Durchmesser überschritten und gibt kein Tor. Als sich in der 90. Minute schon alle damit abgefunden zu haben scheinen, dass es ein Wiederholungsspiel in Blyth geben wird, drischt ein Mittelfeldspieler der Spartans den Ball nach vorne, ins rechte Halbfeld. Der Ball erreicht, bevor ihn die anstürmende Nummer 7 erlangen kann, einen Heimverteidiger, der ihn weggrätschen will, aber am Ball vorbeischlägt. So läuft in der letzten Minute des Spiels plötzlich der rechte Außenstürmer der Blyth Spartans allein auf das Tor zu, tänzelt kurz zuerst nach rechts, dann nach links, und schiebt den Ball routiniert links am Tormann vorbei zum 1:2.

Es folgen: ekstatischer Jubel bei den Spartanern, langeanhaltendes Kopfschütteln bei den Fans der Heimschaft und der Abpfiff.

Und als sich die Sieger von ihren mitgereisten Anhängern verabschieden und vom ganzen Stadion beklatscht werden, da erscheint mir der FA-Cup – vielleicht auch nur alkohol- oder kälteinduziert – wirklich einen Moment lang magisch.

Zehn Bücher, die mich 2014 beeindruckt haben (und ein P.S.)

Adam Tooze, The Deluge (The Great War and the Remaking of Global Order 1916-1931)

Karin Koller, Entenfischer (Bericht über eine Behandlung)

Paul Preston, The Spanish Holocaust (Inquisition and Extermination in Twentieth Century Spain)

Natalie Zemon Davies, Trickster Travels: A Sixteenth-Century Muslim Between Worlds

Natalia Ginzburg, Tutti i nostri ieri

Christopher Duggan, Fascist Voices (An Intimate History of Mussolini´s Italy)

Ari Shavit, My Promised Land (The Triumph and Tragedy of Israel)

Thomas Piketty, Das Kapital im 21. Jahrhundert

Amy Concannon, Late Turner: Painting Set Free

Germaine de Staël, Über Deutschland

P.S.: Alexander Watsons Ring of Steel (Germany and Austria-Hungary in World War I) habe ich – sowohl das Thema als auch den Autor betreffend – nicht “unbiased” gelesen. Ich meine aber, ich hätte es auch als unbefangene Leserin positiv bewertet.

Einige beiläufige Gedanken zu Alcide Degasperi oder: wie ich begann, einen katholischen Spießer zu bewundern

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Ich beschäftige mich im Moment mit dem Leben der Ernesta Battisti Bittanti, die – unter anderem – eine der ersten europäischen politischen Journalistinnen war und zusammen mit ihrem Mann, dem 1916 durch die k.u.k.-Militärjustiz getöteten Cesare Battisti, in Trento bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges die sozialistische Tageszeitung „Il Popolo“ herausgab, an der für einige Monate im Jahr 1909 auch Benito Mussolini mitwirkte. Konkurrenziert wurde „Il Popolo“ in erster Linie durch zwei andere Tageszeitungen, die liberalkonservative „Alto Adige“ und die katholische „La Voce Cattolica“ (später in „Il Trentino“ umbenannt).

Das Trento der Vorkriegszeit war keineswegs, wie die spätere faschistische Propaganda glauben machen wollte, eine Stadt voller zu allem entschlossenen Irredentisten. Vielmehr dürfte die Bevölkerungsmehrheit nicht nur apathisch kaisertreu, sondern nach Jahrzehnten der Indoktrination durch die katholische Kirche gegen den im Konflikt mit dem Papst gegründeten italienischen Staat, sogar aktiv antisavoyianisch eingestellt gewesen sein.

Um ein besseres Gefühl für das Umfeld, in dem sich Bittanti Battisti bewegte und gegen das sie als Sozialistin publizistisch auch anschrieb, zu bekommen, begann ich, einige Jahrgänge dieser Zeitungen durchzusehen.

Dabei war schnell auffällig, dass „Il Trentino“ mehr noch als „Alto Adige“ in gewisser Weise den Gegenpol zum „Popolo“ der Battistis darstellte. Und die lauteste Stimme in dieser Zeitung ihr Chefredakteur, der damalige Reichsratsabgeordnete und spätere italienische Ministerpräsident, Alcide Degasperi war.

Degasperi war mir in meiner Schulzeit als eine Art italienischer Adenauer vermittelt worden, als muffig-katholischer Pater Patriae, der das Land nach dem Zweiten Weltkrieg mit strenger und gerechter Hand geeint und an den Westen gebunden habe. Ein frömmelnder humorloser Spießer, mit dem sich – trotz seiner unbestrittenen Verdienste – eine nähere Auseinandersetzung nicht mehr lohnte.

Ich war deshalb erstaunt, als die in den Jahren bis zum Kriegseintritt Italiens im Mai 1915 publizierten Artikel, Glossen und Briefe ein anderes Bild zeichneten. Neben viel öder katholischer Dogmatik, etwas weniger politischer Polemik und einiger miefiger Moralisiererei wurde nicht nur scharfzüngige Ironie (etwa in gegen die Zensur gerichteten Glossen), sondern auch ein von allen Zeitläuften unabhängiger Humanismus des Autors ersichtlich.

Degasperi war, zeigte sich, nicht an Staatsgrenzen oder Abstraktionen wie der Nation und ihrer Ehre interessiert. Sondern daran, seine Leute, die Bewohner „Welschtirols“, möglichst vor Schaden zu bewahren.

Am meisten schaden würde ihnen, wie er sich früh sicher war, ein Krieg. Jeder Krieg, aber besonders ein zwischen Österreich-Ungarn und Italien geführter. Egal wie er ausging. Ob das Trentino staatlich zu Italien gehörte oder zu Österreich-Ungarn, war für ihn zweitrangig. Jede der in Frage kommenden Alternativen hatte für die Bewohner des Trentino Vor- und Nachteile. Die Bauern im Etschtal profitierten mit ihren Produkten von der Grenze, die sie vor italienischer Konkurrenz schützte.

Die  Studierenden waren durch die gleiche Grenze benachteiligt, weil sie keinen freien Zugang zu einer Universität, in der in ihrer Muttersprache gelehrt wurden, hatten. Was im utilitaristischen Sinne für die Allgemeinheit besser war, konnte nicht gesagt werden.

Es ging darum, möglichst viele der bestehenden Vorteile zu erhalten und die Nachteile zu verringern. Durch Verhandlungen. Durch politischen Druck. Durch geschicktes Taktieren. Aber nicht durch Krieg.

Und so schrieb Degasperi im Juli 1914 gegen den Krieg, weil er nicht wollte, dass seine Freunde und Nachbarn nach Galizien oder Serbien in den Tod geschickt wurden, und so schrieb er im Frühjahr 1915 ebenfalls gegen den Krieg, weil er nicht wollte, dass seine dann noch verbliebenen Freunde und Nachbarn zu Kollateralschäden eines Gemetzels auf dem Schlachtfeld ihrer Heimat wurden.

Während Cesare Battisti im Winter 1914/1915 durch Italien reiste und mit feurigen Reden Stimmung für eine italienischen Kriegserklärung an Österreich-Ungarn machte, um das Trentino – nicht aber das heutige Südtirol – aus der österreichischen Unterdrückung zu befreien, versuchte Degasperi in Gesprächen mit österreichisch-ungarischen und italienischen Politikern, eine solche Kriegserklärung unter allen Umständen zu vermeiden. Weil ihm gleich wie Cesare Battisti bewusst war, welche Konsequenzen ein solcher Krieg, in dem das Trentino das Schlachtfeld sein würde, unausweichlich haben würde. Weil er aber anders als Cesare Battisti nicht bereit war, diese Konsequenzen eines undefinierten Fortschritts oder des Ruhmes einer Nation willen in Kauf zu nehmen.

Degasperi versuchte, mit Repräsentanten der italienischen und der österreichisch-ungarischen Regierung zu verhandeln, um dem Trentino den Krieg zu ersparen. In den Gesprächen mit dem italienischen Außenminister Sonnino erklärte er seine Bereitschaft, sich in Wien für eine Abtretung „Welschtirols“ (des Gebiets von Salurn bis Ala und von Riva bis Tezze) an Italien einzusetzen, wenn die italienische Regierung als Preis für die Beibehaltung ihrer Neutralität im Gegenzug von der österreichisch-ungarischen Regierung die Entlassung aller Trentiner aus dem Kriegsdienst, gleichzeitig von der russischen Regierung die sofortige Freilassung aller Trentiner Kriegsgefangenen einfordern würde.

Sein Bemühen scheiterte. Es war wohl in Anbetracht der dominierenden Kräfte auf Seiten aller beteiligten Mächte von vornherein zum Scheitern verurteilt. Zwölf Isonzoschlachten, drei Piaveschlachten und viele Gebirgsgefechte mit hunderttausenden Toten folgten.

In Anbetracht seiner starken Orientierung an den Vorgaben des Vatikans war es für Degasperi eine glückliche Fügung, dass die katholische Kirche gerade in dieser Zeit – und beschränkt auf diese einzige Frage – vernünftige und mit seiner eigenen Denkweise kompatible Ansichten vertrat. Ich hoffe, er hätte ähnlich gehandelt, auch wenn er sich vatikanischen Vorgaben widersetzen hätte müssen. Sicher bin ich mir nicht. Da wir Personen nur an ihren Handlungen messen können und nicht daran, was vielleicht unter anderen Verhältnissen sein hätte können, bleibt aber zu konstatieren:

Degasperi war in einer Zeit voller militaristischer und nationalistischer Schreihälse, die dazu aufriefen, freudig im Namen einer nationaler Ehre und eines nur vage konkretisierten Fortschrittes in den Krieg zu ziehen, ein konsistenter Kämpfer für den Frieden.

Das ist nicht wenig, gerade im Vergleich mit vielen anderen Politikern und Publizisten aus jener Zeit.

P.S. Degasperi ist im Jahre 1954 in seiner trentinischen Heimat in diesem Haus gestorben, ohne signifikantes Vermögen zu hinterlassen. Wie mir ein kluger Mann sinngemäß sagte: Wer nach einer langen politischen Karriere und fast 8-jähriger Tätigkeit als italienischer Ministerpräsident arm stirbt, darf ein kleines bisschen bewundert werden.

Unter Mackems, Geordies und Monkey Hangers, Teil I

Wer wie ich einige Zeit des Lebens in England verbracht hat, kommt zwangsläufig ein bisschen im Land herum. Irgendwann verschlägt es eine irgendwie auch nach Aylesbury, Exeter oder Thetford.

Selbst den in London und den Home Counties immer mehr vage als zu bewältigendes Problem („Tottenham face a long trip up north to Morecambe fort he third-round tie“) erwähnten und weniger geographisch präzise verorteten Norden habe ich früher bei Reisen schon gestreift.

Vom „Great North East“, der Gegend um Newcastle, Sunderland und Durham, die nie am Weg nach irgendwo durchquert wird – es sei denn, man wollte nach Stavanger segeln – hatte ich allerdings keine Ahnung. Sondern höchstens einige aus Fernsehserien wie „Auf Wiedersehen, Pet“, „Whatever happened to the Likely Lads?“ oder „Our friends in the North“ gespeiste Vorurteile. Von Selbstlaute absurd dehnenden, Wörter willkürlich falsch betonenden, trinkfesten und gutgelaunten Leuten, die sich ungesund ernährten und heruntergekommene Städte voller Industrieruinen bewohnten.

Ich begab mich also nach Neuland, als ich im Spätsommer meinen Lebensmittelpunkt nach Sunderland verlegte.

Schnell fiel mir der vorherrschende Tribalismus auf. Es existierte eine Vielzahl selbstkreierter Stämme, die sich von anderen – ebenso willkürlich geschaffenen – Stämmen abgrenzten und sich wechselseitig mit mehr oder weniger herabwürdigenden Namen versahen. „Geordies“, „Mackems“, „Monkey Hangers“, „Pit Yackers“, „Smoggies“.

Die größte Rivalität bestand offensichtlich zwischen „Geordies“ und „Mackems“.

Auf den ersten Blick erschien sie einer Laiin wie mir überwiegend fußballbezogen (das Geordie-Heiligtum Newcastle United und die Mackem-Ikone AFC Sunderland sind die konkurrenzierenden und seit Jahrzehnten traditionell erfolglosen „massive football clubs“ der Gegend), aber ihre historischen Wurzeln lägen schon Jahrhunderte zurück, wie mir mein Vermieter, ein „Mackem“, in einem Privatissimum anlässlich der Wohnungsübergabe erläuterte.

Kurz vor dem Bürgerkrieg 1642 habe König Charles I. alle Rechte zum Handel mit Kohle im Nordosten des Landes den Kaufleuten von Newcastle übertragen, was diesen ein faktisches Kohlenmonopol und der englischen Sprache ein Sprichwort über die Zwecklosigkeit der Lieferung von Kohle nach Newcastle eingetragen habe. Die Händler im nahegelegenen Sunderland seien jedoch dadurch verarmt.

Aus Dankbarkeit für diese Privilegien habe sich das Gebiet um Newcastle im Bürgerkrieg auf die Seite des Königs geschlagen, während Sunderland die Parlamentsarmee Cromwells unterstützt und schließlich mit schottischer Unterstützung im Gefolge der Schlacht von Boldon Hill sogar die Stadt Newcastle besetzt habe.

Die heutigen Bezeichnungen dieser rivalisierenden Gruppen hätten sich erst später entwickelt.

Mackem“ stamme von „mack´em, tack´em“, weil die reicheren Bewohner von Newcastle (ausgesprochen „Nyurcassle“) die Einwohner Sunderlands dafür, dass sie Schiffe bauten („mack´em“), die dann aber von anderen übernommen („tack´em“) wurden, mit dieser Bezeichnung verhöhnt hätten.

Geordie“ hingegen sei eine Abwandlung des Namens “George“ und gehe auf die Unterstützung der Bevölkerung Newcastles für König George I. (oder George II.) in einer der Stuart-Rebellionen (1715 oder 1745) zurück. Oder auf vom berühmten Ingenieur George Stephenson entwickelte Lampen für den Kohlebergbau. Oder auf irgendetwas ganz anderes.

Faktum sei, dass nach der herrschenden Meinung „Geordies“ die Gegend zwischen Wylam im Westen und Tynemouth im Osten bewohnten, während „Mackems“ das Stadtgebiet von Sunderland bevölkerten. Puristen verlangten allerdings, dass ein „Geordie“ in Sichtweite des River Tyne, ein „Mackem“ in Sichtweite des River Wear geboren wurde.

Da von meinem Balkon aus bei guter Sicht der Wear zumindest erahnbar sei, könne ich mich ja als Adoptiv-Mackem verstehen, meinte der Vermieter, als er mir die Wohnungsschlüssel aushändigte.

Desert Island Discs

Danke an Stefan Hechl für die Einladung, “Desert Island Discs” auszuwählen.

OneLovelyBlogAward

Ich danke http://viertermann.com/ für die Nominierung zum OneLovelyBlogAward.

Sieben Fakten über mich:

  1. Ich habe keine Ahnung.
  2. Allerdings kann ich die Mannschaft des Tottenham Hotspur F.C., die 2008 den Ligapokal gewonnen hat, zu jeder Tages und Nachtzeit aufzählen (Ersatzspieler inklusive).
  3. Mein Lieblingsfilm ist „Red River“.
  4. Wu-Tang Forever.
  5. Ich habe Bücher von Hayek und von Keynes gerne gelesen.
  6. An meinem Geburtstag war „Fight the Power“ von Public Enemy Number-One-Billboard-Hot-Rap-Single.
  7. Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

Ich nominiere:

-Frau Zschokke http://welcometoshoeboxcastle.wordpress.com/
-Herrn Bruckner http://brucki.blogspot.co.uk/
-Frau Koller http://karinkoller.wordpress.com/
-Herrn Kofler http://herrkofler.wordpress.com/
-Herrn Sander http://www.georgsander.at/
-Herrn Eydinger http://www.sensatzionell.blogspot.de/
-Herrn Hechl http://stefanhechl.wordpress.com/